Ein erwachendes
Nationalgefühl
der von
Russland
dominierten Letten führte zu
Unabhängigkeitsbewegungen. Im Jahre
1917
wurden Gebiete im
Baltikum
umstrukturiert: Livland trat seinen estländischen
Teil an Estland ab, bekam dafür aber im Süden
Kurland
angegliedert. Nach der deutschen Besatzung am Ende
des Ersten Weltkrieges kam es zur
Unabhängigkeitserklärung
(18.
November
1918)
durch den
Lettischen
Volksrat.
Die Rote Armee konnte den Anspruch der Sowjetunion
gegen das von Esten und Deutsch-Balten unterstützte
Lettland nicht durchsetzen und musste sich aus dem
Baltikum zurückziehen. Einem gescheiterten
Putschversuch der deutsch-baltischen Minderheit
folgte dann eine lettische Regierung, die am
11. August
1920
im
Friedensvertrag
von Rīga
auch die Anerkennung durch
Russland
erreichte. Die in diesem Vertrag durch die
Sprachgrenze bestimmte Grenzziehung spricht Lettland
auch
Lettgallen
zu. Das damals über eine tolerante
Minderheitsgesetzgebung verfügende Land erlebte eine
wirtschaftliche wie kulturelle Blüte. Am
15. Juni
1921
wurde vom Parlament der Beschluss über die
Flagge
und die
Wappen Lettlands
getroffen. Diese
Insignien
wurden von diesem Tag an von allen staatlichen
Einrichtungen entsprechend verwendet.
1934
endete diese Zeit durch einen
Staatsstreich, nach dem
Karlis Ulmanis
autoritär regierte. Während der Zeit
bis zum Zweiten Weltkrieg sah sich
Lettland dann zunehmend unter Druck
der Sowjetunion und Deutschlands. Am
5. Oktober 1939 zwingt die
Sowjetunion Lettland ein Beistands-
und Stützpunktabkommen auf. Am 31.
Oktober 1939 wurde ein
Umsiedelungsvertrag zwischen dem
Deutschen Reich und Lettland
unterzeichnet, von dem 48.600
Deutschbalten betroffen waren. Die
Aktion wird am 15. Dezember 1939 für
abgeschlossen erklärt. Lettland
geriet im Zusatzprotokoll des
Deutsch-sowjetischen
Nichtangriffspaktes
in die Einflusssphäre der
Sowjetunion und musste der
Stationierung von Sowjettruppen
unter Gewaltandrohung zustimmen,
welche Lettland am
17. Juni
1940
besetzten. 100.000 Letten wurden
nach
Sibirien
deportiert. Die verbliebenen Reste
der deutschen Minderheit, die
jahrhundertelang die Bildungsschicht
des Landes gestellt hatte, wurden
ausgesiedelt. Eine prosowjetische
Regierung ersuchte um Eingliederung
in die Sowjetunion - ein Vorgang,
der international als
Okkupation
und
Annexion
betrachtet und nicht anerkannt
wurde. Von 1941 bis 1945 besetzte
die deutsche
Wehrmacht
Lettland. Das Land trat als
Generalbezirk Lettland im Rahmen des
Reichskommissariats Ostland
unter deutsche Zivilverwaltung, vom
25. Juli 1941 westlich der Düna
(ohne Riga) und ab dem 1. September
1941 auch östlich davon.
Lettische
SS-Verbände
aus Freiwilligen, später auch
zwangsrekrutierte Soldaten kämpften
im
Zweiten Weltkrieg
auf deutscher Seite gegen die
Sowjetunion. Im Herbst 1944 wurde
das Land fast völlig von der Roten
Armee besetzt. Daraufhin erfolgte
eine erneute Verschleppung von
Letten ins Innere der Sowjetunion.
Bis 1953 wurden rund 120.000 Letten,
vor allem Mitglieder der Ober- und
Mittelschicht und
Kollaborateure,
getötet, inhaftiert oder deportiert.
Zehntausende entzogen sich diesem
Schicksal durch Flucht in den
Westen, v.a. nach
Deutschland,
Schweden,
und später weiter in die
USA
und nach
Australien.
In diesen Ländern entstanden diverse
Exilanten-Gemeinden.
In der Nachkriegszeit wurde eine
Lettische SSR
errichtet, die vom Westen zwar nicht
anerkannt, aber hingenommen wurde.
Anfänglicher Widerstand durch als „Waldbrüder“
bezeichnete
Partisanen
wurde bald gebrochen. In der Folge
versuchte die sowjetische
Zentralregierung, die lettische
Bevölkerung gezielt zur Minderheit
in ihrem eigenen Land zu machen und
siedelte Bürger aus anderen Regionen
der UdSSR in Lettland an. Deshalb
lebten 1989 nur noch 52% Letten,
aber 34% Russen, 4,5% Weißrussen,
3,5% Ukrainer, 2,3% Polen, 1,3%
Litauer im Lande. 1935 lebten 77%
Letten, 8,8% Russen, etwa 5% Juden,
etwa 4% Deutsche, 2,5% Polen, 1,4%
Weißrussen und nur 0,1% Ukrainer im
Lande. Während der deutschen
Besetzungszeit fanden
Vernichtungsaktionen der deutschen
Besatzungsmacht gegen Juden statt,
die zur fast völligen Vernichtung
der jüdischen Bevölkerung Lettlands
führten.
Am
4. Mai
1990
erklärte Lettland
seine
Unabhängigkeit
für wieder
hergestellt. Dieser
Vorgang (auch als
Singende Revolution
bezeichnet) wurde
seitens der
Sowjetunion am
21. August
1991
gemeinsam mit der
Unabhängigkeit
Litauens
und
Estlands
anerkannt. Anfangs
galt Lettland
politisch und
wirtschaftlich als
instabil.
Insbesondere die
zunächst restriktive
Minderheitenpolitik
wurde international
wiederholt
bemängelt. Im Laufe
der 90er Jahre wurde
diese jedoch
europäischen Normen
angepasst und die
Wirtschaft erlebte
einen Aufschwung. Am
20. September
2003
stimmten in einem
Referendum 67% der
Letten für den
Beitritt ihres
Landes am
1. Mai
2004
zur
EU,
32% stimmten dagegen
und 0,7% enthielten
sich bei einer
Wahlbeteiligung von
72,5%. Am
29. März
2004
wurde Lettland auch
Mitglied der
NATO.
So das war ein kleiner Politischer Werdegang von Lettland
